Im Studium
Exkursionen

Exkursionen

© Alessandra Guhr

Das Durchführen von Exkursionen stellt einen wichtigen Bestandteil des Masterstudiengangs Atlantic Studies dar. Da sich der Fokus des Studiengangs allerdings auf den Südatlantik konzentriert, sind Exkursionen kostspielig und nicht leicht zu planen. Daher finden Exkursionen nicht frequent statt, werden jedoch durchgeführt. Hier folgt ein kleiner Überblick über bereits durchgeführte Exkursionen nach Senegal, Mexiko und Kuba. 

  • Senegal 2009

    Exkursion nach Senegal

    © Brigitte Reinwald

    Vom 1. bis zum 17. Februar 2010 reisten 15 Studierende der Geschichte, Sozialwissenschaften und des Masters European Studies unter der Leitung von Prof. Dr. Brigitte Reinwald und in Begleitung von PD Dr. Kirsten Rüther und PD Dr. Ulrike Schmieder nach Senegal. Die Exkursion fand statt im Rahmen der Vorlesungen und Seminare zur Geschichte Senegals im 19. und 20. Jahrhundert von Prof. Reinwald im Sommersemester 2009 und im Wintersemester 2009/10. Die organisatorische Vorbereitung lag in den Händen von Brigitte Reinwald, Kirsten Rüther und Solenne Mazaleyrat sowie Abdou Karim Sané vom Freundeskreis Tambacounda e.V.

    Dakar, die Hauptstadt Senegals, war die erste Etappe. Zum Programm gehörten der Ausbau der Kontakte zu den Lehrenden und Studierenden des Département d’Histoire der Université Cheikh Anta Diop, Dakar, ein Vortrag von Brigitte Reinwald zum Thema „Le forcement est fini!“ Les anciens combattants voltaïques et l’agencement des indépendances, 1945 à 1960 an der Universität Dakar, Besichtigungen in Dakar (Stadtführung, Rundgang zur Kulturgeschichte Dakars, Besuch des Museums für Afrikanische Kunst und des Museums der Streitkräfte) und auf der Insel Gorée vor Dakar (Historisches Museum, Sklavenhaus). Die Exkursionsteilnehmer/innen reisten außerdem in die alte koloniale Hauptstadt Saint-Louis im Norden des Landes, wo das historische Zentrum und das Fischerviertel Guet Ndar besucht wurden, und nach Joal-Fadiouth, wo neben dem Besuch des Geburtshauses von Leópold Senghor und des Kinderkrankenhauses der Stadt die Besichtigung der Insel Fadiouth auf dem Programm standen. In Tambacounda, der Provinzhauptstadt im Südosten Senegals, erhielten die Hannoveraner Gäste nach Antrittsbesuchen bei regionalen und örtlichen Amtsträgern (Gouverneur, Präfekt und Bürgermeister) in geführten Rundgängen durch zwei Grundschulen und das städtische Krankenhaus Einblicke in die Bildungs- und medizinische Versorgung, aber auch der Besuch der städtischen Mülldeponie stand auf dem Besichtigungsprogramm. Außerdem fanden thematische Vorträge und Workshops am Centre d’Énergie solaire et d’Hygiène statt, bei denen Brigitte Reinwald und Ulrike Schmieder Forschungsergebnisse des Historischen Seminars der Leibniz Universität Hannover präsentierten. Schulinspektor Dr. Djibril Seck führte einen Workshop zur kolonialen Kinogeschichte Senegals durch und Eloi Coly, Kurator des Maison des Esclaves (Sklavenhauses) in Gorée, zum Thema der Reparationen für den transatlantischen Sklavenhandel.

    Ein Gegenbesuch von Studierenden und Doktorand/innen in Hannover soll geplant werden. Einige Hannoveraner Studierende beabsichtigen, ihre Abschlussarbeiten zu Themen der senegalesischen Geschichte schreiben. Alle Teilnehmer/innen haben persönliche Kontakte in Senegal knüpfen und ein differenziertes Bild der senegalesischen Gesellschaft und Kultur gewinnen können.

  • Mexiko 2013

    Exkursion nach Mexiko

    © Christine Hatzky

    Vom 12. Februar bis zum 1. März 2013 führten das Historische und Romanische Seminar eine Exkursion nach Mexiko durch.

    Unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Christine Hatzky (Historisches Seminar) und Frau Prof. Dr. Lidia Becker (Romanisches Seminar) erkundeten die Studenten*innen fast drei Wochen das Land. 

    Halt machte die Exkursionsgruppe in Mexiko Stadt, der Hauptstadt des Landes, wo sie das Zentrum rund um die Catedral Metropolitana besuchte. Unter dieser Kathedrale befand sich der ehemalige Haupttempel der Azteken, der 1521 von den Spaniern zerstört wurde. Auch die berühmten Schwimmenden Gärten von Xochimilco, das ehemalige Anbaugebiet für Obst und Gemüse der Azteken, wurden besucht. 

    Der mexikanischen Universität UNAM (Nationale Autonome Universität Mexikos) wurde selbstverständlich auch ein Besuch abgestattet. Die UNAM ist eine der ältesten (Gründung 1551) und die größte Universität des lateinamerikanischen Kontinenten (sie zählt heutzutage ca. 300 000 Studenten*innen). Seit 2007 gehört sie zum Weltkulturerbe der UNESCO. 

    Auch ein Besuch im Palacio Nacional, dem Regierungsgebäude Mexikos, dürfte natürlich nicht fehlen. Neben der Tatsache, dass es sich hier um den Regierungssitz des Landes handelt, sind doch vor allem die sogenannten murallas (Deutsch: Wandbilder) Anziehungspunkt für Besucher, die sich im Treppenhaus des Palacio Nacional befinden. Berühmte mexikanische Muralisten wie José Clemente Orozco, David Alfaro Siqueiros und Diego Rivera fertigten hier ihre murallas an. Das bekannteste dieser Wandbilder ist sicherlich Riveras La historia de México, welches einen Ablauf der mexikanischen Geschichte, von den Beginnen der Reiche der Indigenen (u.a. die Azteken), bis über den Unabhängigkeitsprozess bis hin zur Mexikanischen Revolution des 20. Jahrhunderts darstellt. 

    In der Nähe Mexiko Stadt befindet die Pyramidenstätte Teotihuacán- die größte präkolumbianische Stadt. Sie zählte damals 150 000 Einwohner und erreichte eine Ausdehnung von mehr als 20 Quadratkilometer. Teotihuacán stellte die Hauptstadt eines Reiches dar, dessen Einfluss sich über ganz Mesoamerika erstreckte. Über Herkunft und das Leben der Bewohner in der Stadt ist nicht viel überliefert, doch Wissenschaftler fanden heraus, dass sie zwischen dem 1. Jh. n. Chr. und dem 7. Jh. ihre Blütezeit erlebte. Nach einem großen Brand wurde die Stadt jedoch von den Bewohnern verlassen. Heutzutage finden sich dort noch die berühmte Mond- und Sonnenpyramide, die ein Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt sind. 

    Die Exkursiongruppe besuchte auch die nordwestlich von der Hauptstadt gelegene Stadt Guanajuato. Sie war eine ehemalige Silberbergbaustadt, die zwischen 1558 und 1808 rund 20% des weltweiten Silbervorkommens produzierte. Seit 1988 gehört sie ebenfalls zum Weltkulturerbe der UNESCO. 

    Auch ein Besuch der Städte San Miguel de Allende sowie Dolores Hidalgo durften bei der Mexiko-Exkursion nicht fehlen. In dem kleinen Örtchen Dolores wurde beispielsweise der Grundstein der mexikanischen Unabhängigkeit. Am Morgen des 16. September 1810 löste der Priester Miguel Hidalgo mit seinem Grito de Dolores (Deutsch: Schrei von Dolores) die Bewegung aus, die 1821 zur Loslösung Mexikos von der spanischen Krone führen sollte. 

     

     

  • Kuba 2017

    Exkursion nach Kuba

    © Alessandra Guhr

    Dass Kuba irgendwie anders ist, bemerkt man bereits am Flughafen. Der Übergang vom kalten Hannover, wo am selben Tag noch Schnee gefallen ist, ins sonnige Havanna ist selbst für die Klimaerprobten unter den 12 studentischen Teilnehmern auf Dauer eine Herausforderung. Auch Lichtschutzfaktor 50 und Mückenspray, welches vorsorglich lagenweise aufgetragen wird, schützen nicht gegen die Sonne und schon gar nicht gegen die Mücken. Zum Glück gibt es ohnehin viel zu viel zu erleben, um sich zu sehr davon stören zu lassen. Havanna zeigt so viele unterschiedliche Seiten von sich, dass man sicher sein kann, dass es mit mehr Zeit noch so viel mehr zu entdecken gäbe. Dabei muss man sich eigentlich Zeit lassen, denn hier geht alles ein wenig langsamer voran, von der Essensbestellung bis zum Warten auf den Bus. Da sind zum Beispiel einerseits die touristischen Restaurants an der Calle Obispo, wo man ohne Probleme sogar Coca Cola kaufen kann, und dann andererseits die Märkte der Einheimischen, wo einem schmerzlich bewusst wird, dass es eigentlich fast unmöglich ist, vom kubanischen Durchschnittsgehalt zu leben. Als Exkursionsreisende bekommen wir Einblicke in beide Seiten der Stadt, manchmal sind wir sogar mittendrin, wenn wir mit dem Bus fahren, der dem Wort „vollgestopft“ einen völlig neuen Sinn verleiht. Dafür läuft darin ständig fröhliche Musik. Tatsächlich ist der Verkehr auf Kuba inzwischen so weit fortgeschritten, dass wir bei einer unserer Heimfahrten sogar in einen Stau geraten. Natürlich betrifft dies lediglich Havanna – bei einem Ausflug in die Gegend westlich der Hauptstadt werden die Autos schnell durch Pferdekutschen sogar auf den Landstraßen abgelöst.

    Begleitet werden die Ausflüge durch regelmäßige Referate von Seiten der Studierenden, welche nicht nur inhaltlich auffallen, sondern vor allem durch die Vortragsorte, welche sich häufig an den Möglichkeiten orientieren müssen – zum Beispiel im Instituto de Historia, wo die Vortragende ihr Referat über die kubanische Arbeiterbewegung vor einem riesigen Gemälde José Martís und flankiert von einer riesigen Abbildung der Ahnengalerie des Kommunismus halten kann. Besonders spannend ist natürlich der Austausch mit den Kubanern selbst. Die Gespräche sind inhaltlich durchwachsen, aber dadurch nicht minder interessant. Man weiß nur vorher nie, ob einem nun ein gleichberechtigter Austausch oder ein anderthalbstündiger Monolog nach dem Regelbuch der Kommunistischen Partei bevorstehen. Doch waren es speziell die Vielseitigkeit und Unberechenbarkeit des sozialistischen Inselstaates sowie das facettenreiche Exkursionsprogramm, die die studentische Exkursion zu etwas ganz Besonderem machten. Ein großes Dankeschön geht an Frau Hatzky, Frau Schmieder und Frau Reinwald!

     

    Malisa Mahler, Silke Bremer, Natascha Rempel